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Dr. Arno Klein

Technische Dokumentation auf mobilen Endgeräten

4 Kommentare

Seit längerem haben die mobilen Begleiter einen Funktionsumfang und Lesekomfort erreicht, der die Verwendung der Geräte zur Informationsbereitstellung von Bedienungsanlagen, Wartungsplänen und anderen Informationserzeugnissen der technischen Dokumentation möglich macht. Wie jede halbwegs neue Technologie bzw. jeder neue Anwendungszweck sollte die Sinnhaftigkeit dieser Möglichkeiten gut durchdacht sein. Oder anders gefragt: mobiler Hype oder gewinnbringende Verwendung? Welche Herausforderungen und Chancen ergeben sich durch die ubiquitäre Bereitstellung von technischer Dokumentation?

Die Formatfrage

Ein PDF einer Bedienungsanleitung auf einem Tablet zu speichern, macht noch lange keine mobile Dokumentation daraus! Sicherlich lassen sich interaktive und multimediale Elemente in PDF-Dateien einbetten und damit die Verwendung dieses Formats einigermaßen rechtfertigen, nur müssen solche Elemente auch in das Dokument eingebaut werden (oft mit proprietären, aufwändigen Produktionsschritten). Entscheidend ist jedoch, dass die unbestreitbaren Vorteile von PDF für Printmedien (es sieht überall gleich aus) auf Geräten mit Bildschirmgrößen zwischen 4‘‘ und 12‘‘, Hoch- und Querformatdarstellung sowie Touchscreen-Bedienung bestenfalls unnötig sind. Die Darstellung der Dokumentation muss sich auf den mobilen Geräten optimal an die Fähigkeiten des Bildschirms anpassen und optimalen Lesekomfort ermöglichen.

Die Plattformfrage

Wählen Sie ein Format, dass auf unterschiedlichen Plattformen (Android, iOS, Windows 8) anzeigbar ist – am besten mit den gleichen Möglichkeiten bzgl. Interaktivität und Darstellungsvermögen. Mit der Erweiterung des EPUB-Standards in der Version 3.0 zur Unterstützung von HTML 5, CSS3 (z.T.) und Scripting geht das offene und bekannteste Format zur Darstellung von Informationen auf mobilen Geräten schon sehr weit in die richtige Richtung. Da aber die aus CSS3 entnommenen Eigenschaften von den Endgeräten – laut Standard – ignoriert werden können und auch sonst die Unterstützung für Subsets des HTML5-Standards wie z.B. MathML sehr uneinheitlich ist (s. http://www.mathjax.org/resources/epub-readers/), kann mit den z.Z. verfügbaren EPUB Reader Apps nicht auf eine durchgehend 100% gleiche Darstellung vertraut werden. Da für die Inhaltsbeschreibung HTML verwendet wird, begibt man sich jedoch nicht in die Abhängigkeit eines proprietären Formats und kann die Dokumentationen fast identisch nur im Browser, gehostet auf einem Server oder auch auf Desktops verwenden. Ein klares Plus des EPUB-Formats.

Die Bereitstellungsfrage

Quasi überall funkende WLAN Hotspots und schnelle Mobilfunktechnologien wie UMTS und LTE sollten eine durchgehende Verfügbarkeit netzbasierter Dienste sicherstellen. Muss man sich also noch Gedanken über das Herunterladen und Offline-Bereitstellen von Informationen machen? Leider ja: jeder, der im Zug auf der Strecke zwischen zwei Bahnhöfen versucht mit dem Handy oder Tablet zu browsen, weiß, dass man sich die Informationen am besten vor der Fahrt heruntergeladen hätte. Weiterhin gibt es Bereiche, in denen die Nutzung von Mobilfunktechnologien verboten ist (z.B. Krankenhaus). Die reine Offline-Bereitstellung von Informationspaketen ist ebenfalls nicht ausreichend, da auch größere Speicherkapazitäten auf mobilen Geräten z.Z. zu klein sind, um die Datenmengen der Dokumentationspakete von großen Maschinenbaureihen zu speichern bzw. immer aktuell zu halten. Ein Hybridansatz zur Offline-Bereitstellung der am häufigsten genutzten Informationen, kombiniert mit dem Online-Zugriff auf weitere Dokumentationspakete bzw. der Aktualisierung der vorhandenen Informationen ist demnach gefordert.

Die Chancen

Die überall verfügbaren Inhalte der technischen Dokumentation eröffnen den Benutzern neue Anwendungsszenarien. So können die mobilen Geräte genutzt werden, um Messwerte direkt aus entsprechenden Maschineninstallationen abzurufen und fehlerbaum- oder simulationsbasierte Diagnoseverfahren durchzuführen, zu denen die benötigten Bedienungs-/Testanleitungen gleich verfügbar sind. Auch die Rückmeldung dieser Daten sowie die Rückkopplung der Dokumentationsverwender mit den Dokumentationserstellern über Feedback-Mechanismen bzw. öffentlichen Notizen, führt zu einer völlig neuen Dimension des (bisher unidirektionalen) Informationsaustauschs in der technischen Dokumentation. Weiterhin lassen sich die Sensoren der mobilen Geräte durchaus sinnvoll zur Suche nach relevanten Informationen nutzen: die optische Erfassung von Barcodes, RFID-Sensoren, die Auswertung der GPS-Koordinaten, Spracherfassung o.ä., bieten erweiterte Zugänge zur technischen Dokumentation, die über konventionelle Browsing und Suchstrategien weit hinaus gehen.

4 Kommentare zu “Technische Dokumentation auf mobilen Endgeräten

  1. Der Funknetz Ausbau hängt in Deutschland leider wirklich stark hinterher. Es wäre toll, wenn man für kleines Geld immer und überall online gehen und eine brauchbare Bandbreite erwarten könnte aber zZ ist es reine Utopie.

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