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Ist alles so schön bunt hier…

Ein Kommentar

Mit dem SCHEMA ST4 Page Layout Designer (PLD) werden Vorlagen für visuell anspruchsvollste Dokumente, Broschüren, Kataloge oder Faltschachteln graphisch interaktiv erstellt.
Farben sind für alle diese Dokumentarten natürlich essenziell. Marketing-orientierte Produktinformation, wie Kataloge oder Broschüren sind ohne ausgeklügelte Farbgestaltung undenkbar.

Im klassischen Desktop Publishing (DTP) Umfeld gibt es – etwas vereinfachend – zwei Methoden Farben festzulegen:

  1. Die Farbe wird als Farbwert innerhalb eines definierten Farbmodells oder Farbraumes angegeben.
    So ist z.B. ein volles, sattes Rot in dem speziell für die Bildschirmdarstellung konzipierten RGB Farbraums (= Red, Green, Blue) der Farbwert (216, 30, 5).
    Für das Drucken ist der CMYK Farbraum (= Cyan, Magenta, Yellow, Key (= Schwarzanteil)) ein sehr beliebtes Farbmodell. Ein sattes Rot wird in CMYK z.B. durch den Farbwert (0, 86, 98, 15) angegeben.
  2. Die Farbe wird per Namen oder Bezeichner aus einem vordefinierten Farbkatalog ausgewählt. Im Farbkatalog der Firma Pantone ist z.B. die Farbe mit der Bezeichnung PANTONE 485 C ein volles, sattes Rot.

 

In DTP-Systemen werden Farbwerte aus Farbmodellen oder Farbnamen aus Katalogen i.d.R. direkt den graphischen Objekten (Linien, Flächen, Schriften, usw.) zugewiesen.
Während in der DTP-Welt die direkte Bearbeitung eines Dokumentes im Vordergrund steht, werden im ST4 PLD ausschließlich Dokumentvorlagen erstellt und bearbeitet. In die PLD-Vorlagen werden dann die medienneutralen XML-Inhalte eingeschossen, wodurch fertige Dokumente im klassischen Sinne entstehen. Eine PLD Vorlage kann für die Produktion von dutzenden oder gar hunderten von Dokumenten verwendet werden.

Angenommen diese hunderte von Dokumenten sind einseitige Datenblätter einer größeren Produktpalette, die aus mehreren Produktreihen besteht. Um die Auswahl der richtigen Produktdatenblätter für den Kunden und die Mitarbeiter zu erleichtern, sollen die Ränder der Datenblätter sich farblich jeweils pro Produktreihe unterscheiden.
Es wäre sehr schade, wenn wir aus der bisher einheitlichen Vorlage für die Datenblätter im PLD, nun jeweils pro Produktreihe eine eigene Vorlage bräuchten, die sich nur in der Farbzuweisung für einige Randelemente unterscheidet. Bei 10 Produktreihen wäre der Wartungsaufwand für Änderungen an der Datenblattvorlage in diesem Szenario verzehnfacht worden.
Ein möglicher Lösungsansatz wäre die Farbvariation mit programmiertechnischen Mitteln zu realisieren. Hier gilt aber der PLD-Grundsatz, dass Programmierung nur im äußersten Falle notwendig sein sollte. Häufige Anforderungen sollten ohne unnötige Steigerung der Bedienungskomplexität im PLD umsetzbar sein.

Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen DTP-Systemen und dem ST4 PLD ist die Anforderung mehrere Formate aus den gleichen XML-Quellen zu generieren.
Die Wiederverwendbarkeit einer PLD Vorlage für DIN-A4 ist in einer HTML-Produktion begrenzt, da es in HTML schlichtweg keine Seitengrenzen gibt. Allerdings macht die Wiederverwendung der Farbfestlegungen eminent viel Sinn. Das Marketing freut sich, wenn die Produktdarstellung im Web automatisch und immer konsistent die gleichen Farbelemente der Produktreihen der gedruckten Datenblätter wiederverwendet.
Die direkte Wiederverwendung von PLD-Farbdefinitionen in der HTML-Produktion ist in der aktuellen SCHEMA ST4 Version noch nicht möglich, wird aber in einer der nächsten Releases Teil des Standards.

Die Gleichheit von Farben über mehrere Medien hinweg zu gewährleisten ist leider alles andere als trivial. Für den Druck sind Farbkataloge oder der CMYK Farbraum am besten geeignet, diese sind aber nur sehr bedingt auf Bildschirme übertragbar. Es existieren zwar Tabellen oder Formeln mit denen z.B. CMYK und RGB ineinander umgerechnet werden können, aber in der realen Farbwahrnehmung sind dann die Ergebnisse dieser Umrechnungen aus einer Fülle von Gründen suboptimal. In der Praxis wird ein CMYK Farbwert zunächst per Formel in RGB umgerechnet und dann i.d.R. durch den Grafikspezialisten manuell optimiert. Für die hochwertige Produktion unterschiedlicher Medien und Formate aus einer Quelle genügt es also nicht nur eine Farbe pro Objekt anzugeben. Man muss die „gleiche“ Farbe unabhängig voneinander pro Zielformat definieren können.

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, sind im PLD Farben eigenständige Objekte mit folgenden Eigenschaften:

  1. Jede Farbe hat einen durch den Designer frei wählbaren Namen.
  2. Jede Farbe besteht nicht einfach aus einem Farbwert aus einem Farbraum oder einer Farbkatalogreferenzen, sondern aus einer beliebig langen, priorisierten Sequenz von Farbangaben aus unterschiedlichen Farbräumen bzw. Farbkatalogreferenzen. Die Priorität ergibt sich einfach aus der Reihenfolge.

 

Als Beispiel definieren wir die PLD Farbe SattesRot1 mit folgender Farbsequenz:

  1. spot (PANTONE 485 C)
  2. rgb (216, 30, 5)
  3. cmyk (0, 86, 98, 15)

 

Bei der Dokumentgenerierung im PLD werden Farbsequenzen wie folgt verarbeitet:

  1. Es werden während der Produktion alle Farbangaben aus der Sequenz entfernt, die das aktuell eingestellte Zielformat nicht unterstützt.
  2. Hat die Farbsequenz nach der Entfernung nicht unterstützter Farbangaben immer noch mehrere Einträge, so wird für das eingestellte Zielformat die erste Farbangabe der Sequenz verwendet.
    Z.B. wird für HTML nur der RGB Farbraum unterstützt. Die Spot und CMYK Farbangaben werden entfernt, so dass die Farbe SattesRot1 während der HTML-Generierung nur noch aus einer einzigen Farbangabe besteht: rgb (216, 30, 5).

 

Wird dagegen ST4 PDF Engine für die Generierung des Zielformates PDF eingestellt, sind alle drei Farbangaben gültig und somit wird die erste Farbangabe in SattesRot1 als Farbe für die PDF Produktion verwendet: spot (PANTONE 485 C).
Definieren wir nun die PLD Farbe SattesRot2 wie folgt:

  1. cmyk (0, 93, 81, 9)
  2. spot (PANTONE 485 C)

 

Bei der Generierung über ST4 PDF Engineist der Fall einfach. Alle Farbräume sind gültig und der erste der Sequenz wird für SattesRot2 verwendet: cmyk (0, 93, 81, 9).
Für eine HTML-Produktion haben wir für SattesRot2 zunächst ein Problem: Weder CMYK noch Volltonfarben werden unterstützt. HTML benötigt RGB Farbwerte. Im PLD wird das Problem dadurch gelöst, dass versucht wird aus den vorhandenen Farbangaben die erste zu finden, die in einen kompatiblen Farbraum umgerechnet werden kann. Für SattesRot2 gilt dies für den CMYK Farbraum und daher ist in der HTML Produktion SattesRot2 der aus CMYK umgerechnete Farbwert: rgb (232, 17, 45).

Neben dieser einfachen und eleganten Lösung für zielformatoptimierte Farbangaben, bietet der PLD eine Reihe von innovativen Organisationsmechanismen für die Farbenverwaltung in Vorlagen.
Der einfachste dieser Mechanismen ist folgender: Eine PLD Farbe kann durch Referenz auf eine weitere PLD Farbe definiert werden. Sinnvoll ist diese indirekte Definition von Farben für spezifische, semantische Objekte in der Vorlage.
So kann z.B. die Farbe RahmenWarnung für die Rahmen von Warnungen wie folgt definiert werden:

  • SattesRot1

 

In der Vorlage wird allen Elementen der Tabelle, die den Rahmen der Warnung aufbauen, die Farbe RahmenWarnung zugewiesen. Die Wirkung ist wie erwartet: alle Elemente des Rahmens bekommen zielformatabhängig die optimierten Farbwerte der Farbe SattesRot1.
Die Vorteile dieser Indirektion liegen in der langfristigen Wartbarkeit der Farbzuweisungen einer oder mehrerer Vorlagen. Sollen z.B. die Rahmen von Warnung später die Farbe Gelb1 haben, so genügt es die Farbe RahmenWarnung auf Gelb1 zu setzen.
Eine weitere zentrale Innovation für die Organisation von Farben im ST4 PLD sind Farbgruppen.

Eine Farbgruppe ist eine Sequenz von Farbvarianten. Eine Farbvariante ist eine PLD-Farbe, die mit einer Bedingung versehen ist. Eine Bedingung ist ein XPath Ausdruck (W3C Standard).
Nach dieser Salve von Definitionen hilft nur noch ein Beispiel und wir erinnern an die eingangs bereits erwähnten Datenblätter, die jeweils pro Produktreihe einen unterschiedlichen Farbrand bekommen sollen.
Im PLD kann dies mit folgender Farbgruppendefinition gelöst werden:
Farbgruppe DatenblattRand:

  1. PastellRot wenn @ProduktReihe=“Kochfelder“
  2. PastellOrange wenn @ProduktReihe=“Mikrowellen“
  3. PastellGrün wenn @ProduktReihe=“Waschmaschinen“

 

Jede dieser Zeilen ist eine PLD Farbvariante, besteht also aus einer PLD Farbangabe plus einer Bedingung.
Die Bedingungen wirken wie Filter. Sollte mehrere Bedingungen während der Generierung zutreffen, wird die erste Farbangabe der Sequenz verwendet. Werden alle Farbvarianten ausgefiltert, ist die Farbe der Farbgruppe implizit Schwarz.

An Stelle jeder Farbzuweisung im PLD kann auch eine Farbgruppe eingesetzt werden. Wenn nun alle graphischen Elemente, die den Rand eines Datenblattes ausmachen, die Farbe DatenblattRand zugewiesen bekommen, sind folgende Ziele erreicht worden:

  1. Jedes Produktdatenblatt hat automatisch die Randfarbe der entsprechenden Produktgruppe.
  2. Die Farbgebung ist medienübergreifend konsistent.
  3. Für den hochwertigen Druck über das PDF-Format werden die drucktechnisch optimalen Farbdefinitionen herangezogen. Analog werden für die HTML-basierten Datenblätter die optimierten RGB Farbwerte verwendet.

 

Bzgl. Wartbarkeit sind z.B. folgende Erweiterungen und Optimierungen ohne Änderungen an der Vorlage möglich:

  1. Ist zwischenzeitlich eine neue Produktgruppe entstanden und die entsprechende Farbe festgelegt worden, so wird die Farbgruppe DatenblattRand lediglich um einen weiteren Eintrag ergänzt.
  2. Einzelne Farben können gezielt optimiert werden. Gefällt die Farbe PastellGrün für die Waschmaschinen nicht mehr, so kann diese in der Farbgruppe DatenblattRand einfach gegen PastellGelb ausgetauscht werden.

 

Für das effiziente und effektive Verwalten der Farben einer Organisation gibt es noch ein weiteres wichtiges PLD Feature: Layoutvorlagen können in beliebig langen Ketten voneinander abgeleitet werden.
Die Corporate Design Abteilung (CD) einer Firma, kann im PLD eine Color-Mastervorlage erstellen. Die Farben in dieser Vorlage sind sinnvoll benannt und bestehen jeweils aus technischen geprüften und freigegebenen Farbsequenzen (z.B. für Druck und HTML).
Dadurch entfallen im PLD die möglicherweise häufigen Nachfragen von Grafikern nach den exakten Farbwerten des Firmenlogos. Die Farbe ist in der Color-Mastervorlage unter dem Namen CorporateLogo hinterlegt und steht damit in allen abgeleiteten Vorlagen zur Verfügung. Sollten Änderungen an der Logofarbe notwendig sein, wird der neue Farbwert an der entsprechenden Stelle der Color-Mastervorlage eingestellt. Dutzende von Vorlagen, die jeweils wiederum Grundlage für die Generierung von hunderten oder tausenden von Dokumenten sein können, sind somit automatisch und konsistent aktualisiert worden!

Vielen Dank für Ihr Interesse an der Farbarchitektur des SCHEMA ST4 Page Layout Designers. Treiben Sie’s nicht zu bunt!

Autor: Marcus Kesseler

Founder & managing director of SCHEMA GmbH

Ein Kommentar zu “Ist alles so schön bunt hier…

  1. Ich finde es toll, das man Briefe und Faltschachteln grafisch bedrucken kann. Das hebt den wieder Erkennungswert. Finde ich gut.

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